Nur keine Sentimentalitäten!

Ernst Horst

Nur keine Sentimentalitäten! (Blessing)

Seien wir einmal ganz ehrlich: Fachliteratur im Allgemeinen, zu Comics im Speziellen und in Deutschland schon gleich doppelt, kann allzu oft recht dröge und wenig inspirierend sein, ist man doch stets bemüht, zu beweisen, daß der Comic an sich ja eben doch „Literatur“ ist, oder doch zumindest mit dem Alibi der „Graphic Novel“ bepinselt werden muss, wenn nicht gar Wurzeln in den Hieroglyphen und Symbolen vergangener Epochen gesucht werden.

Nur keine Sentimentalitäten!


Wie schön, das ausgerechnet über Erika Fuchs (sogar Frau Doktor), der legendären Übersetzerin der Disney-Comics im deutschen Sprachraum und scheinbar unantastbaren Schutzpatronin der Donaldisten eines der feinsten und feinsinnigsten Bücher der letzten Jahre geschrieben wurde.
Nur keine Sentimentalitäten! - wie Dr. Erika Fuchs Entenhausen nach Deutschland verlegte“ von Ernst Horst gibt sich zum einen angenehm unprätentiös (der Titel ist tatsächlich Programm) und macht einen ungeheuren Spaß – eben genau wie die Bildgeschichten, deren Übertragung der werten Dame solchen Ruhm einbrachten.

 

Die Freude am Lesen ergibt sich vor allem dadurch, daß der Autor die Freude an der Sprache offensichtlich mit seinem Subjekt teilt. Präzise und detailliert recherchiert schildert Ernst Horst biografische Umstände und Werden von Frau Fuchs, korrigiert Mißverständnisse und Legenden und  liefert eine Vielzahl von Beispielen für Quellen und Herkunft des Wortwitzes, ohne dabei penibel zu werden. Schön ist auch, daß nicht sklavisch daran festgehangen wird, Frau Fuchs sei die Urheberin jedes der ihr zugeschriebenen Zitate, aber es wird eben auch deutlich gemacht, wie groß die Bedeutung der Verbreitung ihrer Version des Deutschen vor allen in der Nachkreigszeit gewesen sein muss und woher ihre Originalität kommt.

Eingebunden ist der Text immer in den historischen Kontext, was ihm eine Tiefe gibt, die einem zunächst einmal nicht auffallen mag, eben weil das Buch so unterhaltsam ist.
Mein Fazit: Ernst Horst schreibt so schön, daß er vielleicht Disney hätte überstzen sollen, aber da dies bereits von Erika Fuchs vollbracht wurde, hat er das zweitschönste gemacht und ihre endgültige Biographie verfasst. Vollkommen unsentimental, selbstverständlich!