David Mazzucchelli - Asterios Polyp

Asterios Polyp

Seit sich in den letzten Jahren auch auf dem deutschen Comicmarkt das Feuilleton und die Presse mehr und mehr mit dem Phänomen des Comics auseinandersetzen hat sich gelegentlich die Unart eingeschlichen, jede publizierte Semesterabschlussarbeit mit dem Label der „Graphic Novel“ zu betiteln.

Asterios Polyp

Selbstverständlich haben es sowohl viele Klassiker als auch neue Titel durchaus verdient, in die Nähe von Literatur gerückt zu werden, aber der von Will Eisner in bester Absicht geprägte Begriff findet sich auch häufiger als wünschenswert auf Druckwerken, deren Erschaffer, um es vorsichtig auszudrücken, die Sprache des Comic nicht wirklich beherrschen.

Eine der jüngeren Neuerscheinungen, auf die „Graphic Novel“ hingegen zutrifft wie auf kaum ein anderes Werk, ist David Mazzucchellis „Asterios Polyp“.

Geschrieben, gezeichnet und komplett gestaltet vom Autor, ist der Band nicht nur optisch aus einem Guss, dem Künstler gelingt -trügerisch mühelos- eine perfekte Gratwanderung zwischen innovativem Design und hoher Lesbarkeit.

Mazzucchelli sollte vielen Lesern durch seine Arbeit an „Batman: Year One“ (geschrieben von Frank Miller) ein Begriff sein, einem Werk, dessen prägende Schattierungen und verwaschene Tuschen ebenso wie Millers eigene Zeichnungen erheblichen Einfluss auf die Auflockerung bestehender grafischer Strukturen auf dem amerikanischen Markt hatten.

„Asterios Polyp“ beschreibt den Fall und die Selbstfindung eines Architekten gleichen Namens. Asterios ist ein anerkannter Theoretiker, der jedoch noch nie selber an dem tatsächlichen Bau eines Hauses beteiligt war. Und so führt er auch seine Existenz, auf einem hohen intellektuellen, aber kaum emotionalen Niveau, bis sein Leben in einer Katastrophe auseinanderbricht. Was folgt, ist, wenn auch nicht wirklich neu, so doch oft unerwartet und hebt sich von vergleichbaren Geschichten durch seines Optimismus und seine Lebensmut aus. Obwohl oft ironische Distanz geübt wird, macht Mazzucchelli nie den Fehler, seine Protagonisten der Lächerlichkeit preiszugeben.

Und trotz oft rasanter Stilwechsel gelingt Mazzucchelli durch Kolorierung, Anordnung und schlichtweg seine unprätentiöse Erzählweise und offensichtliche Zuneigung zu seinen Figuren eine Arbeit, deren Vielschichtigkeit problemlos an kontemporäre Autoren wie Paul Auster gemahnt und obendrein ein feinsinniges und grosses Lesevergnügen ist.

Kleiner Tipp am Rande: Auch zu „Asterios Polyp“ darf man weiterhin einfach Comic sagen, denn die Bedeutung eines Werkes wird durch den Inhalt, und nie durch die Vermarktung erzeugt.

(Eichborn, € 29,95)