Timm`s Tipp

Grandville

von Bryan Talbot; Schreiber und Leser; € 24,80

Der Reiz anthropomorpher Tierchen im Comic ist nichts Neues:Grandville Band 1
Von Carl Barks' Enten über Walt Kelly's Pogo (von dem in den USA auch endlich der erste Band einer lange anstehenden Gesamtausgabe erschienen ist), von Fix und Foxi bis zu Inspektor Canardo und Blacksad wurde die Vermenschlichung genutzt, um Genre-übergreifendes zu erzählen, um zu Karikieren und zu Fabulieren.
Die Tierfabel als Parabel für aktuelles politische Geschehen nutzt nun einer der Gründer der Steampunk-Bewegung in graphischer Form, der Brite Bryan Talbot, in seiner Reihe Grandville.
Während im englischen Sprachraum bald bereits der dritte Band der erfolgreichen Serie ansteht, hat sich dankenswerterweise der Schreiber und Leser Verlag ihrer hierzulande angenommen.
Und es ist Zeit geworden, denn während das Steampunk-Phänomen mittlerweile zu einer ästhetischen Geste erstarrt zu sein scheint, findet Talbot in seinen jüngsten Arbeiten zu der Stärke zurück, die er in den Siebziger Jahren erfolgreich mit seinem frühen Meisterwerk „The Adventures of Luther Arkwright“ bewiesen hatte.
In Form eines Thrillers in einer Parallelwelt, in der Frankreich anstelle von Großbritannien zu einer Weltmacht wurde und die „Inseln“ sogar unter ihrer Kontrolle hielten, entfaltet sich vor dem Leser ein Panorama an Intrigen und bildlichen Genüssen, deren Inhalt nicht zufällig an die Geschehnisse des 11. September 2001 erinnern. So gelingt es dem Autor, einem spezifischen Ereignis eine allgemeiner erscheinende Dimension zu entlocken.
Daß Spannung, reichlich schwarzer Humor sowie eine gesunde Dosis dampfgetriebener Handfeuerwaffen dabei nicht auf der Strecke bleiben, versteht sich fast von selbst.
Hoffentlich kommt bald die Übersetzung des zweiten Bandes, denn genau wie bei dem nicht unähnlichen Blacksad besteht höchste Suchtgefahr.
Die englischen Originalausgaben sind bei uns auch zu beziehen.