11000 Jungfrauen

Ralf König

Elftausend Jungfrauen (Rowohlt, €18,95)

Man muss sich ja schämen: Nicht nur scheinen wir in unseren persönlichen Empfehlungen einen 11000 Jungfrauengewissen Herrn Ralf König bezüglich der Zahl der ihm gewidmeten Artikel zu bevorzugen, damit nicht genug, halten die Herren Rezensenten scheinbar den jeweils neuesten Band auch immer für den Besten!
Aber Schluß mit dem Geschäme: Das neueste Werk des distinguierten Zeichners übertrifft trotz der Qualität seiner Vorgänger, der „Bibel-Trilogie“ jene noch einmal um Längen. Zwar ist weniger historischer Gehalt (zumindest was die zu Grunde liegende „Ursula“-Legende betrifft), aber dafür umso mehr Gelächter.
Und mit dem geschichtlichen Hintergrund schaut es sowieso düster aus: Es geht diesmal um die dem frühmittelalterlichen eigenen grotesken Märtyrerlegenden, deren Gehalt und deren Konsequenzen wie den Reliquienhandel, den Keuschheitswahn und die resultierende sublimierte sexuelle Hiysterie einer ganzen Gesellschaft über Jahrhunderte hinweg.
Königs große Leistung ist dabei, aus konsequent recherchierten Fakten eine Komödie zu erschaffen, die zwar einer gewissen Häme nicht entbehrt, die aber vor allem durch ihre großartigen Dialoge, ihren Einfallsreichtum und den fast freundlich-humanistischen Schluß besticht, denn das erfundene Märtyrertum überlassen die Figuren am Ende den Historikern und schreiben sich ihre Biographie einfach selber.
Und auch wenn ich mich der Annahme Max Goldts, daß das Schmunzeln oft die bessere Form des Lachens ist, im Grunde anschließen möchte, so sei doch gesagt, daß ich auch bei wiederholter Lektüre des Buches mehrfach vom sprichwörtlichen Stuhl gefallen bin.
Bitte mehr davon!

1001 ComicsUnd weil wir gerade bei Ralf König sind: Der hat für die deutsche Ausgabe von Paul Gravetts Buch(Paul Gravett (Hrsg.): 1001 Comics (Edition Olms; €29,95)) ein schönes Cover gemacht, daher hier noch eine kleine Bonuskritik, kurz und ohne Umschweife:
Erstaunlich breit gefächert (so werden z.B. Max Ernsts serielle Kollagen oder Frans Masereels „Stundenbuch“- Holzschnitte mit einbezogen), aber nicht in übetriebenem Maße (ägyptische Piktogramme finden sich nicht im Buch), ohne die geringsten kulturellen Scheuklappen und mit einem chronologischen Überblick bis in das Jahr 2011 ist dieser dicke Schinken eine wohldurchdachte Lektüre mit Texten, die trotz ihrer Kürze einen jeweils gut kondensierten Überblick über Autoren, Werke und deren Bedeutung präsentieren.
Unmöglich, darin nicht die eine oder andere Perle zu entdecken oder wieder zu finden.
Kaufen, kaufen, kaufen...